Lotelta

Stadt, Land, Fluss, Pflanze, Tier, Beruf


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Der virtuelle Hund (1)

Heute einen kurzen Morgenspaziergang gemacht. So ungefähr, wie wenn man mit einem Hund Gassi geht. Nur ohne Hund.

Kaum das Haus verlassen begegnet mir ein Nachbar, mit dem ich gelegentlich über den (d.h. seinen) Gartenzaun hinweg plaudere. Er fragt mich, ob ich einen Augenblick Zeit habe – aber immer! 🙂

Er hat mir etwas mitgebracht aus dem Sommerurlaub in seiner Heimat Benin.

Und er lässt mich raten, was es ist: eine rätselhaft schöne kleine Statue aus glatt poliertem Ebenholz, auch ein Handschmeichler …

… aber es hat auch einen praktischen Nutzen:

Wow! Was für ein Tagesbeginn!


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Die Welt von oben

Meist bin ich ja bodennah unterwegs. Und langsam. Und detailverliebt.

Feuerwanze auf Herbstzeitlose

Aber an einem der letzten sonnigen Oktobertage durfte ich einen spannenden Ausflug einer ganz anderen Art machen!

Hier streckt das Transportmittel schon vorsichtig seine Nase aus seinem Quartier …

Bevor es losgehen kann, muss man dem Luftfahrzeug auf den Zahn fühlen. Das nennt sich Preflight-Check: Funktionieren die Landeklappen? Und das Höhenruder? Und der Propeller? Und und und …

Die Dame ist eine Cessna F172M Skyhawk und wohnt in EDNH alias Bad Wörishofen Nord.

Innen sieht sie ein bisschen retro aus, aber das passt gut zu ihrem Geburtsjahr 1973. 😉

Ich sitze auf dem Beifahrerplatz, äh, Copilotenplatz muss es natürlich heißen, und werde von meinem Piloten instruiert, nur ja Hände und Füße von den Bedienelementen zu lassen.

Kurz danach sind wir in der Luft und unter uns schlängelt sich der Lech dahin, rechts davon die B17, auf der wir schon oft Richtung Süden gefahren sind. Im Vordergrund die Ortschaft Seestall. Im Hintergrund der Hohe Peissenberg vor der Alpenkette.

Ortschaften sehen aus 2000 Fuß (gut 600 m) über Grund ungewohnt aus. Das hier ist Dettenschwang oberhalb des Ammersees …

… dessen Südende kurz danach erreicht ist.

Eine Woche zuvor hat es STUNDENLANG  gedauert, das Südende mit dem Ammerseemoor zu Fuß zu umrunden! Jetzt sind es 5 Minuten und dahinter sieht man schon den Starnberger See liegen.

Wer in München oder Umgebung wohnt, weiß wahrscheinlich, was ich hier fotografiert habe …

Sieht auch von oben schön und interessant aus, das Buchheim-Museum mit seinem überdimensionalen „Sprungbrett“!

Hinter den Osterseen thront die Zugspitze.

Blick über den Starnberger See nach Nordwesten.

Der Hopfensee

Dann geht’s rum um die Kurve …

 

… und entlang des Forggensees zurück nach Norden.

Landschaftskunst beim direkten Blick nach unten. An den Hinweis „Betreten verboten“ auf der Radabdeckung hält man sich gerne, daür müsste man ja die Tür aufmachen. 😉

 

Nach einer Stunde Flugzeit und einer weichen Landung sind wir wieder zurück am Boden.

Als erstes muss natürlich Pegasus versorgt und geputzt werden.

Dann gibt es für den Piloten und die Passagierin köstlichen Apfelkuchen und Cappucino auf der Terrasse des Flughafencafés.

Ein wunderbarer Ausflug, großer Dank an den Piloten an meiner Seite! 🙂

Fazit: Durch die Luft reisen ist auch sehr schön. Oder was meinen Sie, Herr Plattbauch?

Plattbauch (Libellula depressa), Männchen

 


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Wandern im Fünfseenland – See 4 und 5

Die etwas dezentrale Lage meiner Unterkunft beschert mir am Morgen des letzten Wandertages einen wunderbaren Spaziergang am Seeufer nach Herrsching.

Die letzte Etappe führt von Herrsching über Andechs, den Maisinger See und die Maisinger Schlucht nach Starnberg. In Herrsching eine Minute vor Abfahrt des Busses angekommen, der mich als einzigen Fahrgast nach Andechs bringt.

Ein paar Meter von der Bushaltestelle entfernt ein Blick auf den „Heiligen Berg“ mit heiligen(?) Kühen.

Gleich daneben die zwölfte und  damit letzte Station des Kreuzweges, der nach Andechs hinaufführt.

Ich gehe den Kreuzweg in entgegengesetzter Richtung und ungefähr bei Station fünf  …

… bietet sich beim Umdrehen der  Paradeblick auf den „Heiligen Berg“, den zweitgrößten Wallfahrtsort Bayerns nach Altötting.

Dann lasse ich Andechs hinter mir und wandere weiter durch Wald und Felder und vorbei an versteckten Seen.

Hallo, Zugspitze! 🙂

Hallo, König-Ludwig-Weg!

Nach ein paar Kilometern komme ich an einem geheimnisvollen See vorbei. Vom Weg aus sieht man nichts, aber OsmAnd zeigt mir, dass der See nur ungefähr 100 m weit weg ist. Ich schlage mich durchs Unterholz bis der Untergrund so nass wird, das man nicht weiterkommt. Wald, Unterholz und hohes Schilf, kein Blick aufs Wasser.

Es handelt sich um den Eßsee, an dem das Max-Planck-Institut für Ornithologie liegt. Dort hat Konrad Lorenz seine berühmten Versuche mit den Graugänsen gemacht. Der See ist also nicht von ungefähr so versteckt, Forscher und Vögel wollen ihre Ruhe haben. Es soll am MPI ab und zu einen Tag der  offenen Tür geben, da muss man mal hin!

Für seine Brauerei und seinen Biergarten ist Andechs mindestens genauso bekannt wie als Wallfahrtziel. Die Wanderer in Gegenrichtung haben es nicht mehr weit. 🙂

Ein Stück weiter trifft man auf den Maisinger Bach …

… der den See Nummer 4 speist, den Maisinger See. Auch der hat einen breiten Schilfgürtel. Erst beim Maisinger Seehof sieht man über das Wasser. Hier gibt’s auf dem Bänkle sitzend die Brotzeit aus dem Rucksack, der Seehof hat für dieses Jahr schon geschlossen.

In der Ortschaft Maising  ein paar schöne alte Häuser …

… und das Gasthaus Georg Ludwig mit gut besuchtem Biergarten.

Dann kommt die Maisinger Schlucht. Hier müssen sich manche Bäume am Abhang festkrallen.

Kurz vor dem Ende der Schlucht findet sich ein Plätzchen zum Füße-Baden …

… wo man aber schnell von einer großen Rentner-Wandergruppe aufgescheucht wird. Hier ist Münchner Ausflugsland und bei schönem Wetter auch werktags der Bär los. Es gibt eben viele „rüstige Rentner“. 😉

Nun ist’s nicht mehr weit bis zum Endpunkt meiner Wanderung am See Nummer 5, dem Starnberger See.

Auch die Uferpromenade gleich bei der S-Bahn-Station ist sehr belebt, trotzdem ist es wunderschön!

Von Starnberg bin ich in einer Stunde zuhause. Das ist kürzer als die Zeit, die ich als Pendler für den Heimweg von der Arbeit gebraucht habe. Ob man da überhaupt von „Fernwandern“ sprechen kann … Eigenartiges Gefühl, am frühen Abend umringt von Pendlern an meiner heimischen Bahnstation auszusteigen.

Statistik Tag 3:

18 km, 132 Höhenmeter, gesamte Gehzeit 6 h  (incl. zahlreicher Pausen)

 

Fazit:

Es war mal wieder traumhaft! Und ich war glücklich, dass ich noch drei zusammenhängende Sonnentage erwischt habe.

Übrigens ist das Fünfseenland „die zum Alpenvorland gehörige oberbayerische Region zwischen Ammersee und Starnberger See, die außer diesen beiden großen Seen auch den Wörthsee und den Pilsensee sowie viele kleinere Seen umfasst, von denen der Weßlinger See als der fünfte namensgebende See betrachtet wird“.
Ich hab mir erlaubt, mir drei andere kleine Seen zur Vervollständigung auszusuchen. 😉


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Wandern im Fünfseenland – See 2 und See 3

Die zweite Etappe meiner schönen Herbstwanderung führte von Dießen am Westufer des Ammersees nach Herrsching am Ostufer, größtenteils auf dem König-Ludwig-Weg.

Beim morgendlichen Blick aus dem Fenster grüßt schon wieder der Mann mit dem Goldfisch.

Und beim Frühstück in der Gaststube …

… sinniere ich über vergangene Zeiten. In der zweiten Hälfte der 80er-Jahre war ich ziemlich oft in Dießen, damals noch ein kleiner und verschlafen wirkender Fischerort am Ammersee mit wenig Tourismus und nur zwei oder drei Gasthöfen. Heute ist das anders: der Ortsteil nahe am See ist auf angenehme Art herausgeputzt, eine Fußgängerzone mit Bachlauf, eine Menge Einkehrmöglichkeiten und sogar ein Kino! Jede Menge Tagestourismus, insbesondere wenn die Schiffe der Ammerseeflotte kreuz und quer über den See fahren. Auch andere Gäste finden jetzt hierher: gestern beim Abendessen hat eine vierköpfige Familie erzählt „wir kommen aus Hamburg, heute früh sind wir am Gardasee losgefahren und haben dann unterwegs im Internet ein Quartier für eine Zwischenübernachtung gebucht.“ Tja, moderne Zeiten!

Nach dem Frühstück geht es los zur Umrundung des südlichen Endes des Ammersees. Der Weg führt vorbei an der klitzkleinen evangelischen Kirche.

Ein paar kleine alte Häuser in großen verwilderten Gärten gibt es noch …

… aber wohl nicht mehr lange. Auch in Dießen sind die Immobilienpreise längst durch die Decke gegangen, auch ohne S-Bahn-Verbindung nach München.

Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus),

Um den Ammersee im Süden zu umrunden muss man einen ziemlich weiten Umweg über Raisting machen. Durch das Moor am Südende gibt es keinen Fußweg, nur eine viel befahrene Autostraße.

König-Ludwig-Weg mit Begrüßungshund.

Vielleicht war er aber auch unterwegs zum Einkaufen? Während seine Frau gemütlich auf dem Sofa lag?!

Die Kirche in Raisting.

Die Erdefunkstelle mit Bergpanorama. 1978 war ich da mal auf einem Betriebsausflug, man konnte die älteste Parabolantenne in der kugelförmigen Traglufthalle besichtigen. Irgendwann sollte die abgerissen werden, inzwischen steht sie unter Denkmalschutz und wird wohl auch im Rahmen von Studentenprojekten genutzt.

Kurz danach bin ich vom König-Ludwig-Weg abgewichen um dem Raistinger Weiher einen Besuch abzustatten, der See Nummer 2 auf meinem Trip. Hier waren wir früher oft beim Baden. Heute hat man den Eindruck: den wollen die Einheimischen für sich behalten. Rundherum eingewachsen, ein tunnelartiger Pfad führt zum Ufer. Man findet ihn, wenn man ihn kennt.

Weiter geht es durch die kultivierte Moorlandschaft Richtung Pähl …

… mit schönen Blicken zur Zugspitze.

In Pähl ist man auf der Ostseite des Ammersees angekommen. Hier geht man ein bissl den Berg hoch zum Pähler Höhenweg. Ewig nicht mehr da gewesen. Ein Traum, erst recht an einem sonnigen Oktobertag!

Der Hochschloßweiher (= See Nummer 3) ist auch so ein verstecktes Juwel, man muss vom Wanderweg auf einen Trampelpfad abweichen, um an seinem Ufer stehen zu können.

Im ersten Stammbaumwald Bayerns gibt es gleich eine ganze Allee mit uralten und riesigen Buchen.

Nun ist es nicht mehr weit bis zum Zwischenziel Kloster Andechs. Dort angekommen, brauche ich dringend eine Stärkung mit Kaffee und Kuchen. Immerhin habe ich schon 21 Wanderkilometer hinter mir, mein persönliches Limit ist damit schon reichlich erfüllt. Deshalb erstmals über ein Sakrileg nachgedacht: ein Stück des Weges mit dem Bus zurückzulegen. Und siehe da, alle halbe Stunde fährt ein Bus nach Herrsching. Nach diesem Entschluss bleibt noch Zeit für eine gemütliche Rast und die Besichtigung der Klosterkirche.

Für den Aufstieg zum Turm bin ich zwei Minuten zu spät dran …

… deshalb muss heute der Blick von der Aussichtsterrasse reichen.

Durch die Busfahrt verpasse ich den schönen Wanderweg durch das Kiental. Dafür wartet in Herrsching ein weiteres Highlight: ein Abendspaziergang am Seeufer. Die Unterkunftssuche in Herrsching war nicht  einfach, und außerdem teuer. Deshalb hatte ich mich für das „Haus der bayerischen Landwirtschaft“ entschieden, das knapp 3 km vom Herrschinger Zentrum entfernt liegt.

Traumhafte Abendstimmung …

… und ein Abschiedsblick auf die Zugspitze.

Um halb sieben war mein Nachtquartier erreicht. Glück gehabt, denn der Empfang ist nur bis sieben Uhr besetzt. Das Haus der bayerischen Landwirtschaft ist eigentlich kein Hotel sondern ein Seminarhaus. Es gibt auch kein Restaurant, o je – die nächste Gaststätte ist 2 bis 3 km entfernt. Doch die freundliche Dame sagt, sie könne mich noch für das Abendbüffet eintragen, heute gibt es – was auch immer, Hauptsache warmes Essen und ein Bier. 🙂

Es gab nicht nur Gemüse und es hat prima geschmeckt!

Statistik Tag 2:

24 km, 280 Höhenmeter, gesamte Gehzeit 8 h  (incl. zahlreicher Pausen)


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Wandern im Fünfseenland – See 1

Im Oktober wollte ich unbedingt nochmal wandern gehen. Weil, November und Dezember sind ja sehr unsichere Kandidaten für Wanderwetter. Und wann es im Frühjahr wieder losgehen kann ist auch ungewiss. Die  letzte Möglichkeit bot sich mir vergangene Woche von Dienstag bis Donnerstag. Schon zwei Wochen vorher die Wettervorhersage für diesen Zeitraum verfolgt, immer gut bis passabel. Doch dann am Wochenende plötzlich für Mittwoch von morgens bis abends Regen vorhergesagt! Mittelgradige Verzweiflung und Einstellung der Vorbereitungen. Am Montag früh schlaftrunken wetteronline konsultiert: Dienstag bis Donnerstag Sonnenschein von früh bis spät. Auf der Stelle eine Route ausgetüftelt, die Wahl fiel auf das Fünfseenland: keine lange Anreise, die einzelnen Etappen schon mal begangen, teilweise schon vor sehr langer Zeit. Zwei Übenachtungen gebucht, die Wanderschuhe geputzt, das Nötige in den Rucksack geworfen und Vorfreude.

See Nummer 1 war der Ammersee, meine erste Etappe verlief auf dem Ammersee-Höhenweg von Schondorf nach Dießen.

Dienstags um 10 Uhr werden in Schondorf die Plüschelefanten gelüftet 😉

Auf nach Süden!

Um diese Zeit sind die Gräser noch taubedeckt …

… und mit etwas Glück kriegt der Wanderer einen Heiligenschein 🙂

Etwas später ein Blick auf Utting und den Ammersee …

… und in der Ferne am gegenüberliegenden Ufer ganz klein das Ziel des nächsten Tages: Kloster Andechs.

Geschwungenen Wege …

… führen hinein in wunderbaren Buchenmischwald …

… mit viel Unterwuchs

In St. Alban kommt man ans Ammerseeufer …

… und erreicht bald das Tagesziel: diese Bank in Dießen …

… wo 2018 meine allererste Fernwanderung. begann.

Ein Steinwurf entfernt liegt der Gasthof Unterbräu  …

… und das Zimmer 6 mit Blick auf den Mann mit dem goldenen Fisch.

Statistik Tag 1:

21 km, 190 Höhenmeter, gesamte Gehzeit 7 h  (incl. zahlreicher Pausen)


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Schöne Tage am Lago d’Iseo: Arrivederci Italia

An unserem letzten Tag am Lago d’Iseo stand nochmal ein Ausflug auf dem Programm: „Monastero di San Pietro in Lamosa“ und  „La Riserva Naturale Torbiere del Sebino” – allein schon diese wohlklingenden Namen!

Das Monastero di San Pietro in Lamosa hat eine lange Geschichte: Erst war an dieser Stelle ein Tempel des Mitraskultes, ab dem 5. Jahrhundert eine christliche Kapelle, später ein Benediktinerkloster und ab 1083 ein Kloster der Cluniazenser.

Übrigens gar nicht so einfach, etwas über die Kirche herauszukriegen, alle leicht zu findenden Quellen im Internet sind auf italienisch, selbst die oben verlinkte Tourismusseite bietet zwar die Auswahl zwischen Italienisch und Englisch, in beiden Fällen aber den italienischen Text. Irgendwie auch bezeichnend für die Gegend hier, noch ein bissl „Geheimtip“, sehr schön!

Die Klosterkirche ist ein tolles altes Gemäuer …

… mit Gebäudeteilen aus dem 11. bis 16. Jahrhundert …

… mit alten Fresken …

… und einer kleinen Nische mit Torfbriketts. Wahrscheinlich war der Torfabbau für die ganze Gegend früher sehr bedeutend.

Von der Terasse unterhalb der Kirche ein schöner Blick übers Torfmoor.

Dort geht es als nächstes hin!

Der Torbiere del Sebino hat immerhin auch eine englischsprachige Erläuterung. Und wunderbare Wanderwege direkt am Wasser ….

… oder auch über das Wasser.

Kormoran (Phalacrocorax carbo)

Und schon ist wieder Mittag und ein „pranzo“ ist fällig. Nach etwas Parkplatzsuche in Iseo – dort ist touristisch erheblich mehr los als in unserem beschaulichen Sulzano – finden wir eine nette Pizzeria. Schließlich kann man nicht aus Italien heimfahren ohne Pizza gegessen zu haben!

Nach der Siesta ein letzter Nachmittagsspaziergang in Sulzano.

 

Morgen geht es nachhause. Es war ein wunderbarer Kurzurlaub mit vielen schönen Eindrücken. Ohne großen Aufwand und Herumfahrerei kann man hier viel unternehmen. Sulzano hat auf uns „sehr italienisch“ gewirkt, die Zahl der ausländischen Touristen hält sich in Grenzen. Anders am nicht weit entfernten Gardasee – kein Wunder: Früher gab es in einer Münchner Boulevardzeitung im Sommer eine Rubrik „Temperaturen unserer Seen“, darin tauchte wie selbstverständlich der Gardasee auf. 😉

Viel Zeit blieb auf dieser Reise auch für Reiseerinnerungen und -erzählungen. „Komm ein bisschen mit nach Italien…“ sang Caterina Valente 1956. Wir waren alle drei schon oft in Italien, immer wieder schön und für Süddeutsche im wahrsten Sinne „naheliegend“. Die Tante war zum ersten Mal in Italien als ich noch gar nicht auf der Welt war!

Mit einem letzten Blick aus dem Hotelzimmer sagen wir am nächsten Morgen: Arrivederci Lago d’Iseo und Sulzano.


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Schöne Tage am Lago d’Iseo: Ein Besuch

Den Vormittagsausflug zu den Piramidi di Zone hat die Ü60-Fraktion alleine bestritten, weil nicht recht klar war, wie steil und unwegsam die 2.5 km lange „für Familien mit Kindern geeignete Wanderung“ wirklich ist. Das erste Abenteuer war schon die Anfahrt: mein Versuch, mit Hilfe der Kompass-Wanderkarte den Fahrer zu leiten hat uns auf immer engeren Kehren steil den Berg hinauf geführt bis irgendwann ein Schild kam „Sackgasse, Weiterfahrt verboten!“. Also wieder zurück nach unten und mit dem Auto-Navi auf die richtige Straße eingefädelt. Danke an den Fahrer für die Geduld. 🙂 Die richtige Straße war zwar auch steil und kurvenreich, aber immerhin passten zwei Autos aneinander vorbei.

Die Rundwanderung beginnt am großen und gut ausgeschilderten Parkplatz in Cislano. Erst geht’s vorbei an blühenden Wiesen, dann steil und geröllig bergab. Bis zur ersten Aussichtsstelle auf die Piramidi ist es nur gut ein halber Kilometer.

Auf einer Infotafel die Erklärung zu den Piramidi: „Die Erdpyramiden sind das Produkt eines seltenen Erosionsphänomens, das in teilweise zementierten Lehm-Kiesablagerungen entsteht. Von den Hängen trägt das Regenwasser schnell das Lehmmuttergestein fort und isoliert allmählich die Felsblöcke, die wie ein Regenschirm das darunter liegende Material schützen. So entstehen aus den Kiesablagerungen, aus denen die Moräne besteht, die Erdpyramiden: Erdzinnen, über denen Felsblöcke liegen.“

An einer anderen Stelle ist es „verboten zu ragen“…

… aber es war gut, dass wir das nicht ganz ernst genommen und vorsichtig über den Rand geschaut haben. 🙂

 

Nach den ersten Aussichtsstellen sind wir wieder umgekehrt, weil heute noch ein weiterer wichtiger Punkt auf dem Programm stand.

Der Anlass für diese Reise war nämlich, dass die Tante eine italienische Freundin hat, die hier in der Gegend wohnt. Die beiden Damen haben sich vor über 40 Jahren in einem Urlaub an der Adria kennen gelernt und pflegen seither ihre deutsch-italienische Freundschaft per Brief und Telefon und mit gelegentlichen Besuchen. Nun haben auch wir diese schöne Gegend kennen gelernt.

Das Nachmittagsziel war der Ort Gardone Val Trompia. Um ins Val Trompia zu gelangen mussten wir wieder in Kehren bergauf bergab fahren, die Ostseite des Lago d’Iseo ist nun mal sehr steil. Das Val Trompia ist „ein schmuckloses Tal“, das wussten wir schon aus den Erzählungen von früheren Besuchen.

Alle drei wurden wir überschwänglich empfangen. Bald haben wir die beiden Damen allein gelassen zum Austausch von Erinnerungen und Neuigkeiten und derweil einen Spaziergang durch Gardone gemacht.

Es gibt hübsche Ecken …

… und eine gute Eisdiele an einem Platz, wo man auf der Bank sitzen und das Eis verspeisen kann.

Große Teile von Gardone sind geprägt von der Waffenfabrik Beretta.

Davon ist die Familie Beretta so reich geworden, dass eine protzige Villa her musste.

Der Beretta-Familie gehört übrigens auch  die kleine Insel San Paolo neben Monte Isola. Während des Christo-Projektes konnte man San Paolo auf orangefarbenen Stegen umrunden.

Nach ein paar Stunden fahren wir wieder zurück nach Sulzano – rechtzeitig zum Abendessen. Was hier am Garteneingang unseres Hotels aufgestellt ist, ist die Speisekarte des Ristorante.

So sah die Speisekarte zur Zeit unseres Besuches aus. Alle angekreuzten Speisen haben wir in den vier Tagen probiert, manche sogar mehrfach, manche auch ohne genau zu wissen, was sich dahinter verbarg. Es war alles „sehr italienisch“ und es hat alles gut geschmeckt.

Heute waren die im letzten Beitrag schon erwähnten „Sardine essicate“ dabei.