Lotelta

Stadt, Land, Fluss, Pflanze, Tier, Beruf


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Wilde Heimat

Letzten Samstag in der Wildnis: eine Exkursion des Naturwissenschaftlichen Vereins führte in ein Moorgebiet im Pfaffenwinkel. Es begann auf einer wunderschönen artenreichen Streuwiese mit dem Gesang der Zwitscherschrecke. Sie zeigte sich zwar nicht, war dafür aber unüberhörbar.

Die Alpen-Strauchschrecke dagegen lässt sich betrachten und fotografieren, bevor sie in die Wiese zurückkehren darf. Hier ein weibliches Exemplar, erkennbar am Legestachel.

Alpen-Strauchschrecke (Pholidoptera aptera)

Der anschließende Forstweg durch den Wald ist eine Aufeinanderfolge von tierischen und pflanzlichen Highlights. An dieser Exkursion waren viele Entomologen beteiligt, entsprechend viele Schmetterlinge gab es zu sehen 🙂

Der Kaisermantel hat ein sehr spezielles Balzverhalten, in dem Wikipedia-Artikel ist das schön beschrieben. Man sieht auch viele Pärchen fliegen, die sind aber so schnell unterwegs, dass man sie nicht fotografieren kann. Da muss man schon warten, bis ein Männchen eine Ruhepause braucht …

Kaisermantel (Argynnis paphia) auf Wald-Witwenblume (Knautia dipsacifolia)

Weißbindiger Mohrenfalter (Erebia ligea)

Tagpfauenauge (Aglais io)

Aber auch die Blümchen sind nicht zu kurz gekommen!

Eines der Highlights war das Ochsenfilz: es ist unglaublich, welche tollen und wilden Biotope es quasi „vor der Haustür“ gibt. Hier gluckert das Moor beim Überqueren …

… und man findet den in Deutschland sehr seltenen Sprossenden Bärlapp.

Sprossender Bärlapp (Lycopodium annotinum)

Man watet aber nicht nur durch Wasser sondern auch durch Blaubeeren! Die gibt es in solchen Mengen, wie ich sie bisher nur in Finnland gesehen habe …

… und sie schmecken köstlich 🙂

Neben den Blaubeeren findet man Preiselbeeren und Rauschbeeren, aber die sind noch nicht reif.

In der Wildnis lauern natürlich auch Gefahren …

… vor denen man nötigenfalls ins Baumhaus flüchten könnte …

… aber dann würde man den Fuß des Riesenvogels verpassen …

… und den wunderbaren kleinen See …

… an den ein Birkenwäldchen angrenzt …

… und an dessen Ufer …

… der fleischfressende Sonnentau wächst.

Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia)

Auf dem Rückweg finde ich am Wegesrand eine männliche Alpen-Strauchschrecke und bin stolz wie Oskar 🙂

Alpen-Strauchschrecke (Pholidoptera aptera)

Es war ein wunderbarer Ausflug! Wieder einmal viel gelerrnt – danke an die Organisatoren und Referenten. Und wie bereits bei meiner letztjährigen Exkursion mit dem Naturwissenschaftlichen Verein für Schwaben angemerkt: Wer in der Augsburger Umgebung wohnt, gerne draußen ist und sich für die Natur interessiert, dem kann man man die Exkursionen des NWVS nur wärmstens empfehlen.


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Über den Wolken

Am letzten Sonntag haben wir einen netten Ausflug gemacht – ausnahmsweise nicht zur Natur sondern zur Technik 🙂 Im Münchner Norden liegt die Flugwerft Schleißheim, eine Außenstelle des Deutschen Museums.

Der Flugplatz Schleißheim wurde 1912 gegründet und gehört zu den ältesten Flugplätzen Deutschlands. „Wegen der Nähe zum Schloss Schleißheim wurden alle Flugplatzbauten im „Reduzierten Heimatstil“ ausgeführt. “ sagt Wikipedia.

In der alten Werfthalle und einigen weiteren Gebäuden kann man jede Menge Flugzeuge angucken und aus den Infotafeln einiges über Flugtechnik lernen. Und das alles – sicher auch deshalb, weil das Museum etwas ab vom Schuss liegt – in aller Ruhe und ohne Massenauflauf.

Besonders interessant fand ich die Abteilung über die „Frühgeschichte“ der Fliegerei. Da darf natürlich Otto Lilienthal nicht fehlen. Fünf Jahre lang hat Lilienthal mit seinen selbst gebauten Segelapparaten Flugversuche unternommen, bis er 1896 bei einem solchen Versuch abgestürzt und umgekommen ist.

Wunderschön ist auch dieser Flügel eines Motorflugzeuges, das zwei andere Pioniere 1910 entwickelt haben.

Eines meiner Lieblingsexponate ist diese Vitrine mit den Modellflugzeugen für den „Saalflug – das lautlose Schweben“. Das kleinste und leichteste Modell wiegt 0,5 g, zugelassenes Höchstgewicht in dieser Sportart sind 20 g. Die Modelle sind teilweise  so filigran und fast durchsichtig, dass sie an groß geratene Libellen erinnern.

Hier die Wetterstation des Flugplatzes, mit ausführlichen Erläuterungen und Erklärungen zu den Messgeräten draußen. Wind aus Nordost mit etwa 6 km/h hatten wir am Sonntag Vormittag.

Man kann aber auch auf den Turm steigen und schauen, woher der Wind weht.

Auf dem Rückweg vom Museum kommt man beim Flugplatz-Biergarten vorbei …

Dort ist mehr los als im Museum. Kein Wunder! Kann man doch hier bequem bei einem Weißbier …

… den Segelfliegern beim Starten …

… und beim Landen zuschauen.

Auch Motorflieger rollen vorbei und erheben sich in die Lüfte. Allerdings nicht über die Wolken – weit und breit waren keine zu sehen 🙂

An einem anderen Tag und auf einem anderen Flugplatz …

… startet eine Tecnam P2008. Davon ein andermal mehr.


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Im Blauen Land

Das „Blaue Land“ liegt in Oberbayern rund um den Staffelsee, dem schönsten aller Seen im Voralpenland. Wir gehören zu den Glückspilzen, die Freunde in Uffing haben, die man mal für ein paar Tage besuchen kann 🙂

An der Westseite des Staffelees kann man durch Moorgebiete und Magerwiesen wandern oder radeln …

z.B. auf der Kleinen Staffelsee-Schleife.

Im Uffinger Strandbad sah es am letzten Dienstag bei bestem Badewetter und 23 Grad Wassertemperatur so aus:

Der Staffelsee gehört zu den beliebten Münchner Ausflugszielen und am Wochenende ist hier schon der Bär los. Deshalb wieder mal ein Hoch auf das Rentnerdasein!

Wir genehmigen uns im Strandbad ein Eis und gehen dann weiter durch Wald und Wiesen …

… mit Rosen und Orchideen

Feld-Rose (Rosa arvensis)

Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris)

… zu einer wunderbaren Badestelle …

… wo man geradewegs auf das Ettaler Mandl zuschwimmen kann. (Das ist der kleine Knubbel im linken Teil des Bergpanoramas.)

Auf dem Heimweg ein schöner Blick zur Insel Wörth und zum Jochberg, den man auch mal wieder besteigen muss – unter der Woche, versteht sich.

Dann kommt sogar noch ein Segelboot vorbei und das Glück ist perfekt.

Für den Mittwoch war eine Wanderung durch die Ammerschlucht geplant, die ich zwei Wochen vorher auf dem König-Ludwig-Weg kennengelernt habe.

Vorher war aber noch eine Schwierigkeit  zu überwinden: ich war als erstes wach, dringend kaffeebedürftig und unfähig, der hauseigenen Hightech-Kaffeemaschine einen Kaffee zu entlocken. Nach einer Viertelstunde verzweifelten Bemühens hab ich mich auf den Weg gemacht, um im Ort irgendeine Kaffeequelle aufzutun. Als erstes kam ich an der Metzgerei Jörg vorbei, die hatte um halb acht schon offen. Da frag ich mal, wo ich einen Kaffee kriegen kann, dachte ich.

Und o Wunder: bei der Metzgerei haben sie eine Kaffemaschine, der sie ohne Probleme eine Riesentasse köstlichen Dinzler-Kaffees entlocken können. Der Morgen ist gerettet!

Morgens um 8 am Kreisverkehr in Uffing: Ungefähr im 2-Minuten-Takt kommt Metzgerei-Kundschaft vorbei, meist zum Brotzeiteinkauf. Zwei davon auf dem Fahhrad, alle anderen mit dem Auto. Zu-Fuß-Gehen ist auf dem Land einfach vollkommen out!

Bei meiner Rückkehr waren die anderen auch schon wach und ein Weilchen später konnte es losgehen nach Rottenbuch zum Start unserer Wanderung.

Die ersten drei Kilometer wandert man über Wiesen- und Feldwege …

Gelbwürfeliger Dickkopffalter (Carterocephalus palaemon)

… dann beginnt die Schlucht. Teilweise verläuft der Weg sehr steil über der Ammer, die unten vorbeirauscht.

Die Türkenbundlilien, die vor zwei Wochen gerade die ersten Blüten zeigten, waren jetzt schon am Verblühen.

Türkenbund (Lilium martagon)

Am Kalkofensteg war unser Ziel- und Umkehrpunkt, mangels anderer erreichbarer Brücken über die Ammer muss man den gleichen Weg hin- und zurück wandern. Macht aber nix, weil er so schön und abwechslungsreich ist!

Nach der Brotzeit kann man die Füße in der kalten Ammer kühlen.

Richtig spektakulär waren diesmal die Sinterterassen am Kalkofensteg. (Bei meiner letzten Wanderung war ich zwei Stunden früher hier, also in der Mittagssonne und die damals aufgenommen Fotos waren nachher praktisch nicht erkennbar.)

Aus der Nähe sieht man, dass Blätter und Grünzeug in ziemlich kurzer Zeit im Kalk eingebettet werden und versteinern.

Das Ganze wird auf dieser Infotafel erklärt.

Nach dem Ende des heißen Wandertags stärken wir uns mit Kaffee, Kuchen, Eis und kalten Getränken im netten Kunstcafe in Rottenbuch.

Dann geht es wieder zurück zu einem Bad im Staffelsee, wo die Wiesen im Abendlicht leuchten.

Ebenfalls von der Abendsonne beschienen ist dieser Wurschtautomat – wie man merkt, soll es einem im schönen Uffing an nix fehlen.

Unser Abendessen besteht auch Brathendl, Brezen, Salat und Alpenblick im „Alpenblick“.

Danke an die Gastgeberin für die schönen Tage – wir kommen sicher bald wieder 🙂


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König-Ludwig-Weg Tag 4: Von Rottenbuch nach Steingaden

Beim Frühstück am vierten und letzten Tag schon wieder andere Wanderer getroffen: Ein einzelner Würzburger läuft auf dem „Wanderweg Romantische Straße“ von Füssen nachhause. Er erzählt mir, er müsse jeden Tag etwa 25 km laufen. Auf meine Frage „Warum?“ antwortet er „Der Weg ist nun mal so lang und ich muss es in drei Wochen schaffen“. Tja, anscheinend verlangt es der Weg, in einem Rutsch gegangen zu werden …

Da geht es mir anders: heute ist mein letzter Tag und ich habe das Gefühl, ich müsse mir die noch zur Verfügung stehenden Kilometer gut einteilen und besonders genießen.

Kurz hinter Rottenbuch wird der König-Ludwig-Weg vom „Pfaffenwinkler Milchweg“ begleitet. Da kann man lernen, wie aus Gras Milch wird. Und zur Illustration sind doch tatsächlich lebensgroße Plastikkühe aufgestellt!

Auch Unmutsäußerungen ortsansässiger Milchbauern findet man entlang des Weges. Im Pfaffenwinkel heißt das dann „Jesus hatte Judas, wir den Bauernverband.“

In dieser schönen Gegend ist der Weg buchstäblich mit Wegen gepflastert.

Und prompt überholen mich wenig später zwei Jakobsweg-Wanderer, die ich schon vom Frühstück kenne. Ich erfahre, dass die beiden aus dem Saarland kommen, und dass sie Tagesetappen von 30 und mehr km bewältigen müssen. Deshalb sind sie am Sonntag mit dem ICE vom Saarland nach München gefahren und dann gleich noch nach Schäftlarn gelaufen. Obwohl die beiden sportlich aussehen, geben sie zu, dass sie jetzt an ihrem 5. Tag schon ein bisschen erschöpft sind… Nach 10 Minuten gemeinsamen Gehens, lasse ich die zwei überholen, zusammen mit mir schaffen sie ihr Pensum nie 🙂

Kurz danach komme ich an dieser kleinen Kapelle mit Ruhebank vorbei, da kann ich natürlich nicht wiederstehen …

… zumal der Blick auf die gemütlich mampfenden (echten!) Kühe vor der Bergkulisse so schön ist …

Dann gesellt sich auch noch eine Katze zu mir auf die Bank um sich streicheln zu lassen. Nach Santiago sind es immer noch 2577 km, aber manchen ist das wurscht.

Obwohl heute der Tag des langsamen Wanderns ist, schaffe ich es auch mal, einen Mitwanderer zu überholen!

Die Wieskirche ist nicht mehr weit weg und die Wegweiser werden immer zahlreicher.

Hier liegt sie auf einer kleinen Anhöhe im freien Gelände, den Großparkplatz mit den Reisebussen hat die Fotografin natürlich ausgeblendet.

Immerhin ist die Wieskirche Weltkulturerbe und wirklich sehr sehenswert. Erbaut von den Brüdern Johann Baptist und Dominikus Zimmermann ist sie ein weiteres Werk der Wessobrunner Schule. Die Kirche ist „nachgewiesen die lichtreichste aller deutschen Barockkirchen“ …

… und die ovale Decke ist mit einem riesigen Trompe-l’œil-Fresko ausgemalt.

Um es ganz aufs Foto zu kriegen, musste man die Kamera auf den Boden legen und den Selbstauslöser einschalten. Erst zuhause merkt man, dass man die Weite des Winkel unterschätzt hatte.

Die Stimmung in der Kirche war während meines Besuchs eher von Heiterkeit geprägt. Eine Busgruppe aus Berlin schaute sich alles ausgiebig und durchaus bewundernd an, gleichzeitig aber auch etwas befremdet vom überbordenden Katholizismus. Ein älterer Herr wurde von einem Reisekollegen auf die Beichtstühle aufmerksam gemacht und meinte „Wir ham doch nüscht zu beichten, wa!“

Bei der Wieskirche gibt es  zwei große Gasthöfe mit Biergarten und zwei bis drei Kioske. Überall hätte man an diesem Tag noch einen Platz bekommen und die Preise sind durchaus zivil: Schweinebraten mit Knödel und Krautsalat 10,40 Euro.

Hier leben also Menschen, die das Ganze in Betrieb halten.Und nach der Arbeit vielleicht auf großen Schwimmtieren in kleinen Swimmingpools entspannen?

Von der Wieskirche aus führt der Weg durch das Wiesfilz …

… auf dem „Brettleweg“ …

… durch sehr nasses Moor. So etwas habe ich in Deutschland bisher noch gar nicht gesehen. (Finnland läßt grüßen!)

Ich bin schwer begeistert, das allererste Mal die winzige Blüte der Gemeinen Moosbeere zu sehen!

Gewöhnliche Moosbeere (Vaccinium oxycoccos)

Am frühen Nachmittag komme ich an meinem letzten Etappenziel Steingaden an. Man möchte es dem Mönch nachtun, der im Brunnen vor dem Steingadner Kloster seine Füße badet.

Aber fünf  Minuten später wird für ein Bad von oben gesorgt: ich kann mich gerade noch in das kleine Bäckerei-Cafe am Platz retten, bevor ein Gewitter losbricht und es wie aus Eimern schüttet.

So kommt das Regencape nicht zum Einsatz und die Zeit bis zur Abfahrt des Buses wird mit Kaffee und Donauwellen und Plaudern mit der Bäckereiverkäuferin verbracht.

Nach dem Nachlassen des Regens doch noch schnell ein Abstecher zur Steingadner Klosterkirche. Die ist für längere Zeit wegen Renovierung geschlossen, also keine Begegnung mit einem weiteren Werk der Wessobrunner Künstlerfamilien Schmuzer. Macht nix, mein Bedarf an Barockkirchen ist erstmal gedeckt 🙂

Deshalb nach so viel bayerischem Barock und Rokoko zum Abschluss ein Blick in den romanischen Kreuzgang.

Statistik Tag 4:

16 km, 250 hm, gesamte Gehzeit 5 h 40 min (incl. zahlreicher Pausen)

 

Hinweis  zum König-Ludwig-Weg:

Der König-Ludwig-Weg führt „eigentlich“ von Berg am Starnberger See nach Füssen. Er wird meist mit 5 oder 6 Etappen angegeben.

Ich habe mich an dem Führer „König-Ludwig-Weg“ von Christel Blankenstein orientiert. Davon bin ich die Etappen 2, 3 und 4a gegangen, habe diese aber auf vier Tage verteilt. Bei Tagesetappen von ca. 16 km war ich meist gegen halb drei am Etappenziel und konnte nach einer kleinen Siesta noch einen Abendspaziergang machen. Durch die Verkürzung der im Führer angegebenen Etappen gab es an jedem Etappenziel viel zu sehen.

 

Fazit:

Es war die reine Freude! Ich kann jedem, der gerne wandert, nur empfehlen, es mal mit einer Fernwanderung zu probieren. Vielleicht mit dem König-Ludwig-Weg 🙂


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König-Ludwig-Weg Tag 3: Von Hohenpeißenberg nach Rottenbuch

Die dritte Etappe bin ich vor genau einer Woche gegangen. Und während es heute nach einer Nacht mit Gewitter und Starkregen grau in grau ist, sah letzten Mittwoch der Ausblick von meinem Zimmer so aus:

Beim Frühstück …

… hab ich weitere Wanderer getroffen: eine jüngere Frau aus Hamburg ist mit Hund auf dem König-Ludwig-Weg unterwegs, bei ihr ebenfalls eine Premiere. Und ein junges Pärchen wandert auf dem Jakobsweg von München nach Lindau, mit durchschnittlich 5,3 km/h und ersten Knieproblemen …

„On the ro-ooad again!“

Nach der ersten halben Stunde kommt mir ein älterer Herr auf dem Fahrrad entgegen. Er hält an und fragt mich „König-Ludwig-Weg oder Jakobsweg?“. Nachdem ich mich als König-Ludwig-Wanderer geoutet habe, plaudern wir übers Wetter und das jeweilige Woher und Wohin. Nach einer Weile fragt er: „Was meinens denn, wie alt i bin?“. Immer etwas heikel, diese Frage … Ich sage vorsichtig „Na, Sie werden schon auf die 80 zugehen“. Keine Reaktion. Dann schärft er mir noch ein, dass am dritten Stadl links eine Tafel von der Wetterstation auf dem Hohen Peißenberg steht: „die müssens fotografieren, des is wichtig!“ Das verspreche ich und verabschiede mich. Er will aber noch etwas loswerden: „I bin Jahrgang 25 und werd demnächst 93“, schwingt sich auf sein Radl und fährt fröhlich davon, bergauf, wohlgemerkt.

Jetzt bin ich natürlich auf die Tafel gespannt. Als ich schon denke, ich habe mich mit den Stadln verzählt, stehe ich davor.

Eigentlich bin ich ja kein Fan von solchen Spruchweisheiten, schon gar nicht in dieser Häufung. Aber dem netten alten Herrn zuliebe sollen sie hier nicht fehlen 🙂

Kurz darauf haben mich die jungen Schnellwanderer überholt. Den beiden sind womöglich einige der Blümchen am Wegesrand entgangen.

 

Auf schmalem Pfad durch den Wald …

… vorbei an Schachtelhalmen …

… und Landschaftskunst.

Am Kalkofensteg warte ich ein bißchen, ob die später gestartete Hamburgerin mit ihrem Hund Anton vorbeikommt, und schon nach 20 Minuten ist sie da 🙂

Ich nutze die Gelegenheit, mal mit einem Filmstar zu wandern – der Hund, nicht die Frau! Wir starten also gemeinsam auf dem Steig durch die Ammerschlucht. Alle außer Anton haben festes Schuhwerk.

Es geht über Treppen hinauf …

… und über Brücken und Steiglein – alles ohne Geländer, wie ein Hinweisschild warnend besagt.

Manchmal sieht man tief unten die Ammer. Das Gelände ist wirklich sehr steil, und an vielen Stellen kommen Wasserläufe den Hang herunter. Während oder kurz nach starken Regenfällen möchte ich hier nicht unterwegs sein.

Irgendwann senkt sich der Weg ein Stück zur Ammer hinunter, Türkenbund-Lilien blühen und Schachtelhalme funkeln.

Nach dem Verlassen der Schlucht ist in einer guten halben Stunde mein Quartier in Rottenbuch erreicht.

Hier grüßt der alte bayerische Kini (für Nordlichter: der Namensgeber meines Wanderweges) zusammen mit dem neuen Kini.

Im Kunstcafe gibts erstmal Kaffee und sehr guten Kuchen. Dann muss die Hamburgerin weiter, weil ihr Hund hier keine Aufnahme findet. Ich begleite sie zur Bushaltestelle, die beiden fahren die restlichen 6 km nach Wildsteig mit dem Bus. Anton schwächelt heute etwas, und das war auch nicht mit feiner Leberwurst zu kurieren 😉

Dann mache ich mich auf den Weg, das Kloster Rottenbuch zu erkunden.

Bei der Neugestaltung der Rottenbucher Klosterkirche Mitte des 18. Jahrhunderts war die Wessobrunner Schule am Werk: Joseph Schmuzer war der Baumeister …

… sein Sohn Franz-Xaver für den „üppigen Stuck“ zuständig …

… und wurde vom Freskenmaler Matthias Günther beschimpft, dass er ihm zu wenig Platz für seine Gemälde übrig ließ.

Die Besichtigung der Kirche wurde zum leicht surrealen Erlebnis, weil während der ganzen Zeit ein Kinderchor für ein bevorstehendes Konzert probte. Die Chorleiterin war offensichtlich eine ausgebildete Sängerin, die ab und zu mit schöner voller Stimme einige Takte vorsang. Was die Kids dann mit Begeisterung und zahlreichen Dissonanzen nachzusingen versuchten.

Das Klosterareal ist riesig, früher waren solche Klöster ja komplett autarke Siedlungen, neben Kirche, Friedhof und Klostergebäuden gab es Bierkeller, Mühle, Kegelbahn etc. etc.

Diese geheimnisvolle Tür in der Klostermauer führt nach draußen …

… und man kann das Kloster außerhalb der Mauern umrunden.

In Biergarten der Rottenbucher Stubn neben der Klosterkirche treffe ich die Münchner Wandertruppe wieder. Die vier kennen sich aus einer Jugendgruppe, sind früher viel gepaddelt, unter anderem auf der Ammer, und sie unternehmen immer noch regelmäßig etwas zusammen. Auch wenn der Älteste (und Charmanteste) zugibt, dass das Laufen mit 86 Jahren langsam etwas beschwerlich wird…

Alter Schwan, da kann ich nur hoffen, dass ich es in dem Alter auch noch bis Rottenbuch schaffe!

Statistik Tag 3:

16 km,  320 hm, gesamte Gehzeit 6 h 20 min (incl. zahlreicher Pausen)


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König-Ludwig-Weg Tag 2: Von Wessobrunn nach Hohenpeißenberg

Der zweite Tag beginnt im wildromantischen Wald zwischen Wessobrunn und Paterzell, mit Bächen, Tümpeln, Schluchten, Brücken.

Gemeine Akelei (Aquilegia vulgaris)

Bald kommt man in den Paterzeller Eibenwald, eigentlich ein Buchenwald mit vielen Eiben drin, über 2000 sollen es sein, was ihn zum größten Eibenwald Deutschlands macht. Hier ist eine Eibe, allerdings keine 1000jährige, die hier auch vorkommen sollen.

Europäische Eibe (Taxus baccata)

Auf der Karte verzeichnet ist ein Eibenwald-Lehrpfad. Um dorthin zu kommen, muss man vom König-Ludwig-Weg abweichen und einem entsprechenden Wegweiser folgen. Leider steht man dann irgendwann sprichwörtlich „im Wald“ und müsste einen längeren Umweg in Kauf nehmen. Das ist der Anfang der heutigen Tagesetappe, da will man nicht gleich eine unbekannte Anzahl Kilometer drauflegen. Also wird der Eibenwald-Lehrpfad auf ein andermal verschoben, schließlich bin ich ja im heimischen Ausflugsgebiet unterwegs 🙂

Also zurück zum König-Ludwig-Weg. Und dort treffe ich tatsächlich die ersten König-Ludwig-Wanderer, vier sportliche ältere Münchner. Man plaudert etwas, die vier haben den Lehrpfad auch nicht gefunden, vielleicht will man gar nicht so viele Leute dort hin locken …

Nach dem Verlassen des Waldes trifft man im Örtchen Linden auf diese alte Linde …

… mit eingebautem Marienaltar. Bayern eben!

Keine moderne Skulptur sondern ein Heurechen vor dem Etappenziel, dem Hohen Peißenberg.

High noon auf dem Waldweg: auf der Karte war zu sehen, dass der größte Teil der heutigen Etappe durch den Wald verläuft. Das stimmt froh bei diesen hochsommerlichen Temperaturen. Wenn aber der Weg breit und die Richtung südwestlich ist, sieht das ungefähr so aus:

Streckenweise ist der Weg von Erlen gesäumt, im Prinzip begrüßenswert, da die Erlen in Deutschland seit längerer Zeit vom Erlensterben bedroht sind.

Leider wachsen die Erlen nicht so hoch und nicht so dicht und werfen deshalb nur wenig und zudem löchrigen Schatten.

Während die Buchen und Ahörner am Weg eindeutig Premium-Schatten machen!

Irgendwann ist der schönste Wald zu Ende und man wandert zwischen Wiesen weiter. Auch andere suchen den raren Schatten 😉

… während der Wanderer am Weg kleben bleibt.

Inzwischen ist es halb drei Uhr nachmittags und ich beschließe, eine Abkürzung etwa 1.5 km an der Straße entlang zu nehmen und zuerst meine Unterkunft im Ort Hohenpeißenberg anzusteuern, um nach zwei Stunden Rast und ohne Rucksack zum Gipfelsturm (200 hm) auf den Hohen Peißenberg aufzubrechen.

Dort oben ist die berühmte Wetterstation

… mit langer Geschichte. Die Augustiner Chorherren haben hier bereits Mitte des 18. Jahrhunderts mit der Wetterbeobachtung begonnen.

Eine Wallfahrtskirche gibt es natürlich auch …

… und ein Wirtshaus …

… mit einer wunderbaren Terrasse. Wenn man Glück (also Fön) hat, sieht man von hier 200 km Alpenkette von den Berchtesgadner Alpen bis hin zu den Allgäuer Alpen. Ich hatte schon mehr als einmal dieses Glück, diesmal aber nicht, dafür war es zu hochsommerlich und entsprechend dunstig.

Trotzdem war es wunderbar dort, das Schnitzel köstlich und riesig und die Bedienung überaus freundlich: „I bring eana a Alufolie, dann kennans den Rest mitnehma für morgn.“ Die Kinder am Nebentisch kriegen ihre Hamburger mit brennenden Wunderkerzen serviert! Man kann es gar nicht glauben, dass es in einer so viel besuchten Ausflugswirtschaft so gastfreundlich zugeht.

Auf dem Rückweg liegt die Wetterstation schön in der Abendsonne …

… und um 9 sehe ich vom Badfenster meiner Unterkunft die Sonne untergehen.

Im Gemeindesaal im Oberstübchen des gegenüberliegenden Feuerwehrhauses werden noch lauthals Gospels gesungen – allerdings nicht wie angekündigt „I’ll sing till the end of my life“ sondern exakt bis 10 Uhr. Dann gute Nacht 🙂

Statistik Tag 2:

18 km, 450 Höhenmeter, gesamte Gehzeit 6 h 45 min (incl. zahlreicher Pausen)


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König-Ludwig-Weg Tag 1: Von Dießen nach Wessobrunn

Schon seit längerer Zeit hegte ich den Plan, mal eine Fernwanderung zu machen. Jetzt wurde es endlich wahr, meine Wahl fiel auf den König-Ludwig-Weg.  Das war in jedem Sinne naheliegend: Nach einer Stunde Bahnfahrt von Augsburg bin ich am Montag um 9:00 in Dießen am Ammersee losgelaufen. Um diese Zeit ist es noch still am Seeufer.

In Dießen wurde immer viel gefischt, die Dekoration am Weg zeigt es.

Ein Stück den Berg hinauf steht das Marienmünster, das man vom ganzen Ammerseeufer aus sieht.

Hier stoße ich auf den ersten Wegweiser: KL-Weg steht natürlich für König-Ludwig-Weg, ebenso das K mit Krone. Auf der selben Spur verläuft auch einer der vielen Jakobswege Südbayerns. Man gewinnt den Eindruck, dass überall dort, wo ein vorhandener Wanderweg auch nur einigermaßen in die richtige  (südwestliche) Richtung verläuft, auch noch der Jakobsweg ausgewiesen wurde.

Der Weg führt entlang von Wiesen und Feldern auf die Berge zu.

Immer wieder geht es auch durch schöne Wälder mit vielen Buchen.

So nach einer Stunde beginne ich zu denken: Wo sind die anderen eigentlich alle??? Ich hatte mir den König-Ludwig-Weg, der ja sehr bekannt ist und durch eine malerische und durchaus touristische Gegend führt, immer als sehr viel begangen vorgestellt. Aber nein: der erste Wandertag wird so enden, dass mir kein einziger Wanderer – weder König-Ludwig- noch Jakobswanderer begegnet, genau genommen kein einziger Fußgänger.

Einer kam dann doch: Schon von weitem fiel mir auf, dass er mit schwungvollen Bewegungen mit einer Schaufel etwas vom Schotterweg in den Graben schleuderte. Durch diese Arbeit behindert, war er tatsächlich noch langsamer als ich 🙂 und nach dem Aufholen und „Grüß-Gott“-Sagen fragte ich ihn, was er denn da macht. „Ja, mir ham den Grader über die Straß fahren lassen und der hat zu tief gegradert und an Haufen Steine rausgerissen. Jetzt wenn die Radler da runterrauschen, gibts leicht an Unfall. Und dann wern mir haftbar gemacht.“ Auf mein fragendes Dreinschauen fügt er noch hinzu. „Na mir, die Staatsforsten“. Ich hab ihn noch ein bissl bedauert, es war sehr heiß und schattenlos und der Weg stieg an. Darauf er gelassen: „Ach des macht nix, da vorn is scho aus.“ Tatsächlich hat nach ein paar hundert Metern die Teerstraße angefangen.

Beim Wandern durch den Wald kommt manchmal ein Bächlein vorbei …

… in dem man die Füße kühlen kann.

Etwa zwei Kilometer vor meinem Etappenziel lerne ich, wie weit es die Jakobswegpilger noch haben. Gut, dass ich mir den König-Ludwig-Weg vorgenommen habe  😉

Eine halbe Stunde später bin ich beim schönen alten Gasthof Post in Wessobrunn …

… und kann in Zimmer 2 eine Siesta halten.

Am frühen Abend dann ein Spaziergang durch das schöne Gelände des Klosters Wessobrunn. Das Kloster geht auf das Jahr 753 zurück und zu seiner Gründung gibt es die folgende Legende:

„Als Herzog Tassilo III. bei einer Jagd in dieser Gegend unter der nach ihm benannten Linde übernachtete, da schaute er im Traum drei Brunnen, über denen sich eine Leiter zum Himmel erhob. Als sein Jäger Wezzo am nächsten Tag drei Quellen fand, war das für Tassilo ein Zeichen, bei diesen ‚Brunnen des Wezzo‘ ein Kloster zu gründen ….“

Die drei Quellen gibt es tatsächlich und denen wurde irgendwann ein schönes Brunnenhaus gebaut, durch dessen Bögen man einen Blick auf den „Grauen Herzog“ hat. Der Turm ist das einzige Relikt der ehemaligen Klosterkirche von 1285.

Die heutige Kirche wurde im 18. Jahrhundert gebaut und ausgeschmückt von berühmten Baumeistern, Stukkateuren und Malern der Wessobrunner Schule. Diese hat ihre Spuren in etwa 4500 europäischen Kirchen, Klöstern und Schlössern hinterlassen.

Die in der Gründungslegende erwähnte Linde soll die Tassilolinde sein, eine riesige alte Linde mit 14 m Umfang und 25 m Höhe, innen hohl, aber noch sehr vital. Und schwer zu fotografieren …

Diese Bewohner des Klosterareals wünschen einem eine gute Nacht nach einem erlebnisreichen Wandertag 😉

Und von dieser Stelle sieht man auch das Etappenziel des nächsten Tages: die Kirche auf dem Hohen Peißenberg (maximal gezoomt, deshalb etwas verwaschen).

Statistik Tag 1:

16 km, 270 Höhenmeter, gesamte Gehzeit 5 h 40 min (incl. zahlreicher Pausen)