Lotelta

Stadt, Land, Fluss, Pflanze, Tier, Beruf


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Flamenco und Flamingos

Einerseits bezeichnet das spanische Wort Flamenco den andalusischen Gesang und Tanz, den muss man unbedingt mal anhören und anschauen, wenn man in Andalusien ist! Wir waren bei einem Konzert in der Peña Flamenca la Perla de Cádiz. Die Peñas sind Vereine zur Pflege der Musik, um uns herum hauptsächlich Einheimische, eine super Vorstellung für 7 Euro Eintritt.

Andererseits ist Flamenco auch das spanische Wort für Flamingo. Auch den haben wir schon in Cádiz gesichtet!

Das war viel versprechend, denn als nächstes stand der Coto de Doñana Nationalpark auf unserem Reiseprogrmm. Ich wollte mal richtig viele Flamingos sehen. Die mochte ich schon als Kind. In meiner Heimatstadt gab es in einem Park einen Teich mit Flamingos, damals der Gipfel des Exotischen 🙂

Es ging also weiter nach El Rocío, einem kleinen Ort direkt am Nationalpark. Kaum im Hotel eingecheckt und einen Spaziergang auf der Uferpromenade an der sehr flachen Lagune gemacht, schon die ersten Flamingos gesehen.

El Rocío ist ein Wallfahrtsort, wo an Pfingsten der Bär los ist. Eine riesige Wallfahrt, bei der die Leute teilweise mit Pferd und Planwagen und die Mädels in Flamencokleidern anreisen. Im Hotel erfahren wir, dass dann  innerhalb von drei Tagen eine Million Menschen in den Ort mit 1700 Einwohnern kommen. Laut Reiseführer ist im Rest des Jahres gar nix los, quasi eine Kulissenstadt.
Insofern hatten wir Glück, dass wir an einem Sonntag nachmittag angekommen sind. Viele Familien machen hierher einen Sonntagsausflug, z.B. aus dem nur eine Autostunde entfernten Sevilla. Ein Volksfest mit Verkaufständen und Essen, mit Kutschfahrten und Ponyreiten für die Kinder. Natürlich nicht ohne einen Besuch in der Wallfahrtskirche …

… und in der Votivkapelle.

Dort werden fleißig Kerzen geopfert, von denen ein Großteil gar nicht abbrennt.

Am nächsten Tag hört man scharrende Geräusche aus der Kapelle und wenig später bestätigt ein Blick ins Innere: alles weggeräumt zum Recyclen. Der Preis von 50 Cent pro Kerze ist wohl mehr eine Leihgebühr.

Mit Unterstützung des netten Menschen an der Rezeption des Hotel Malvasía konnten wir für den nächsten Tag eine Tour mit dem Allradbus durch den Südteil des Nationalparks buchen. Die Touren starten am Informationszentrum EL Acebuche, das an einer schönen Lagune liegt. Entlang eines Spazierweges gibt es mehrere  Aussichtshütten, die  tolle Beobachtungsmöglichkeiten für ernsthafte mit Fernglas bewaffnete Birdwatcher bieten.

Wir saßen mit ein paar anderen Touristen in der kleinen Nr. 56. Die beiden anderen Busse transportierten je eine große lärmende Schuklasse, aber mein Gott, auch die sollen schließlich was über die Natur lernen. Unterwegs begegnet man sich zum Glück nur selten 😉

Die Tour ist sehr empfehlenswert, schon allein deshalb, weil man den größten Teil des Parkes nicht auf eigene Faust erkunden kann, nicht mal zu Fuß.
Es geht am 30 km langen Sandstrand entlang, dann durch hohe Dünen, in deren Tälern Pinienwäldchen wachsen …

… und durch Marschland bis zur Mündung des Guadalquivir.

Unser Fahrer Jorge weiß und erzählt sehr lebhaft ungefähr alles über den Nationalpark, beobachtet gleichzeitig mit Adleraugen die Umgebung und zeigt auf jedes entdeckte Tier: „Red deer at eleven o’clock“

Dabei muss er manchmal beide Hände vom Lenkrad nehmen, und sein Bus schwimmt selbständig wie ein Schiff durch den weichen Sand der Dünen!
Die Liste der Tiere ist lang: Wasserschildkröte, Landschildkröte, Wiedehopf, Adler, Fuchs, Rehe, Wildschweine…  Da hier absolutes Jagdverbot herrscht, sind die Tiere völlig unscheu.

Zum Glück für den Touristen gibt es gleich im Anschluss an den Nationalpark ein weniger streng geschütztes Gebiet, den Doñana Naturpark. Dort darf man alleine wandern. Der Wanderweg Laguna del Jaral ist sehr schön, auch wenn die namensgebende Lagune inzwischen trocken ist. Es geht durch Pinienwald mit Ginster …

… und Zistrosen …

… hinauf auf eine fossile Düne mit super Blick.

Angeblich kommt man da auch hinunter an den Strand, wie das gehen soll ist mir allerdings schleierhaft. Einige Kilometer weiter Richtung Mazagon kann man bequem an einen schönen Badestrand kommen …

… und ein paar Muscheln mit heim nehmen.

Zum Abschied ein gutes Abendessen im schönen und direkt am See gelegenen Hotel Malvasía …

… und am anderen Morgen nochmal ausgiebiges Birdwatching

Und natürlich FLAMINGOS!


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Cádiz

Eigentlich will ich es gar nicht verraten, denn auch hier werden die Touristen immer mehr und jetzt bleiben die Kreuzfahrtschiffe schon einen ganzen Tag lang! Trotzdem: Cádiz ist für mich das optimale Städtereiseziel. Eine wunderschöne Altstadt auf einer Insel vom Meer umgeben. Tausend Gassen zum Herumschlendern. Ein hübscher Stadtstrand mit Sonnenuntergang. 3000 Jahre Geschichte und entsprechend viele schöne alte Steine. Einladende Bars und Restaurants ohne Ende. Und so weiter.

Gleich zu Anfang unseres Aufenthaltes wurde mir eine wichtige Botschaft zugespielt.

„Die Kürze ist die Schwester des Talents“

Oh je!!! Da hat man In fünf Tagen zahllose Fotos gemacht. Wie soll man sich da kurzfassen??? Mal sehen …

Hier eine klitzkleine Auswahl schöner Eindrücke 😉

Es beginnt mit fünf Minuten Fußweg von unserem Appartement durch die Calle de las Palmas …

… zur Playa de la Caleta mit dem Balneario bei Sonnenuntergang …

… und früh am nächsten Morgen.

Beim Schlendern findet man interessante Läden und witzige Schaufenster – wenn man nicht gerade zur  Siesta-Zeit unterwegs ist, dann sind die Läden meist nicht mal als solche zu erkennen.

Eine Top-Touristenattraktion ist der Rundumblick von der Torre Tavira, einem der sogenannten Kaufmannstürme. Cádiz war eine sehr bedeutende Hafenstadt und die ansässigen Händler bauten auf ihren Häusern Aussichtstürme, von denen sie die Ankunft ihrer Schiffe im Hafen beobachten konnten. Auf dem Foto sind mindestens dreizehn weitere Türme zu erkennen.

Cádiz hat eine lange Geschichte, beginnend mit den Phöniziern vor ca. 3000 Jahren. Im Museo de Cádiz gibt es viele tolle Exponate aus der Phönizier- und der Römerzeit. Beim Betrachten dieser Vitrine überlegt  man, ob man nicht gerne Phönizierin gewesen wäre 😉

Beim Stadtbummel trifft man auf Straßenkreuzungen wie diese …

… auf schlafende Hunde …

… und auf fotogen abgestellte Motorräder.

Mein Lieblingsplatz war die Plaza de San Antonio mit ihren schönen Häusern und  Straßencafés.

Hier fand die Fiesta de Primavera statt mit Livemusik am Abend, die auch reichlich Zuspruch gefunden hat. Angesichts des kühl-windigen Wetters konnte sich der Frontman den Spruch nicht verkneifen, dass es sich eher wie Frühling in Helsinki anfühlt.

Der nächste Sonnenuntergang war aber eindeutig wieder Frühling in Südspanien 🙂

 


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An der Küste des Lichts

Wir sind gerade von einer Frühlingsreise nach Andalusien zurückgekehrt. Die Costa de la Luz hat ihrem Namen alle Ehre gemacht!

Interessant war ein Ausflug in das Küstenstädtchen Barbate, in früheren Zeiten ein für den Reisenden eher unattraktiver Ort. 1984 hat es uns hierher verschlagen auf der Suche nach einer Unterkunft an der südspanischen Atlantikküste. Unsere einzige Informationsquelle, der Reiseführer, hatte nicht viel dazu zu sagen …  Angesichts der Thunfischfabriken sind wir damals lieber weitergefahren.

Heute ist Barbate ein schmuckes Städtchen …

… mit gigantischem Strand und im März noch (fast) touristenfrei.

Barbate sollte der Ausgangspunkt einer Klippenwanderung sein, die wir im März 2014 schon mal gemacht haben (Rother Wanderführer „Andalusien Süd“, Nr. 1). Weil uns der Wind mit Stärke 6 bis 7 schon unten am Strand fast weggeblasen hat, haben wir den Plan fallenlassen.

Hier zwei Bilder aus der Vor-Blog-Zeit. Diesen tollen Weg haben wir diesmal leider verpasst …

… und auch die rosa Blümchen im Sand.

Plan B war schnell gefunden: Im Hinterland eines der „weißen Dörfer“ besichtigen. Medina Sidonia liegt auf einem 337 m hohen Berg unweit der Küste. Die Stadt wurde von Phöniziern aus Sidon gegründet, später nacheinander von den Römern, den Mauren und den christlichen Königen beherrscht.

Famose Blicke auch hier …

… und rosa Blümchen, die an Mauern hochwuchern.

Vom Sturm eingeholt, verpasst man zwar die Reste der einstigen Burg …

… aber auch so gibt es genügend schöne alte Steine zu sehen.

Arco de la Pastora und Stadtmauer

 


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Botanischer Garten im März

Langsam wird es wieder bunter. Aber angesichts des nassen, kalten und windigen („miesen“) Märzwetters sind es eher noch die Winterblüher.

Wie zum Beispiel die Wohngemeinschaft aus Schneeglöckchen, Märzenbechern und Winterlingen.

Der Zierkohl hält schon seit November die Stellung und gibt jetzt nochmal alles 🙂

Die Christrosen blühen wunderschön …

Christrose oder Schwarze Nieswurz (Helleborus niger)

… und Winter-Schneeball und Zaubernuss riechen süß und seltsam.

Winter-Schneeball (Viburnum ×bodnantense)

Zaubernuss (Hamamelis)

Zaubernuss (Hamamelis)

Für Farbe sorgt auch die alljährliche Ausstellung tropischer Schmetterlinge im Gewächshaus.

Falsches Zebra (Heliconius atthis)

Gemeiner Kreuzer (Vindula erota)

Großer Mormone (Papilio memnon)

Für die Richtigkeit der Namen kann ich keine Garantie übernehmen, die Biester sind für den Laien unendlich schwer zu bestimmen! Nicht nur sind Ober- und Unterseite verschieden, und Männchen und Weibchen oft unterschiedlich gefärbt, Farbe und Zeichnung unterscheiden sich auch noch nach Monsunzeit und Trockenzeit. Zum Beispiel bei Vindula erota. Entsprechend findet man im Internet massenhaft unterschiedliche Fotos von der selben Art, seufz 😉

Wer allerdings keine Lust hat, die Schönheiten mit zahlreichen Großeltern inclusive Enkeln zu teilen, sollte sich den Besuch gut überlegen. Vielleicht wochentags bei sehr schlechtem Wetter morgens um 9???

Hat aber auch sein Gutes: umsichtige Großeltern bringen aufgeschnittene Orangen mit, und man kommt noch näher an die Falter dran.

Rost-Spitzen Blatt (Spiroeta epaphus)

Hier geht’s zu den anderen Monaten, den Februar gibts heuer nicht:

[Botanischer Garten im November Dezember Januar]


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Winter-Highlight

Kaum den Frühlingsanfang begrüßt, schon kommt mein persönliches Highlight dieses Winters!

Der Tag beginnt mit der 2stündigen Bahnanreise zu Freunden im Allgäu. Und mit witzigen Bahnhofsimpressionen in Kempten und Immenstadt.

Mit dem Auto weiter ins Kleinwalsertal. Von dort hat man einen schönen Blick auf unser Tagesziel, den Hohen Ifen „der von weitem aussieht wie der abgekippte Biskuit-Deckel einer Rahmtorte“ – wie die NZZ meint.

Dann mit der nagelneuen Ifenbahn auf das Gottesackerplateau unterhalb des Ifengipfels. Für Flachlandtiroler und Nicht-Skifahrer wie mich allein das schon eine Sensation!

Die Auenhütte bei der Talstation. Motto „Ride all day, dance all night!“ 🙂

Die Bergstation liegt auf 2000 m Höhe. Und die Fußgänger finden sich wieder im Skifahrer- und Snowboarder-Gewusel.

Doch der bestens präparierte 5 km lange Rundwanderweg durch das Gottesackerplateau führt schnell weg vom Trubel.

Was folgt ist eine atemberaubende Wanderung durch weiße Wunderwelt mit schroffen Gipfeln und 200km-Fernblicken …

… und mit Schneedünen und bizarren Schneeskulpturen.

Was man in dieser Jahreszeit nicht sieht: das Gottesackerplateau ist eine riesige Karstlandschaft, praktisch der in 100 Millionen Jahren hochgehobene und zusammengefaltete Meeresboden des Urmeeres Tethys. Entsprechend ist er voller Spalten, Löcher und Höhlen. In der dünnen Humusschicht hat sich eine einzigartige Flora angesiedelt. Also muss man im Sommer nochmal hin, auch wenn der Weg dann sicher viel weniger bequem zu begehen ist als jetzt.

Von der Brotzeit im Schnee ist diesmal nur die Nachspeise dokumentiert 😉

„Da ist auch noch eine Spur, der man folgen könnte!“

Die Sonne verschwindet um drei hinter dem Ifengipfel. Vor der letzten Talfahrt  bleibt noch Zeit für ein Glas Prosecco bei „Tafel + Zunder“, der ebenfalls neu gebauten Berg“hütte“ mit riesiger Aussichtsterasse, um diese Tageszeit sogar angenehm leer – die Skifahrer müssen noch möglichst viele Abfahrten hinkriegen 🙂

Dann ein gutes Abendessen im „Moorstüble“ in der Nähe von Oberstdorf sehr idyllisch an einem Moor(Bade!)See gelegen …

… und mit Blick auf das Rubihorn im letzten Abendlicht.

Das war wirklich ein spektakulärer Ausflug. Großen Dank an die Gastgeber und Organisatoren!


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Vorfrühling

Vorgestern noch Winter, gestern schon Frühling! Vorfrühling genau genommen, denn in der Phänologie zeigt die Blüte der Schneeglöcken den Beginn des Vorfrühlings an. Und der Vorgarten, in dem jedes Jahr für Augsburg der Vorfrühling ausgerufen wird, liegt gleich bei uns um die Ecke.

Durch dieses schöne Gitter sah man am 6. Februar Eis und Schnee …

… und gestern die ersten Schneeglöckchen.

Schneeglöckchen (Galanthus nivalis)

Eine Erkundungsmission in meinen Lieblingswald ergab, dass die ersten Bewohner der Graureiherkolonie im 7-Tisch-Wald aus Südeuropa oder Nordafrika zurückgekehrt sind und ihre alten Nester ausbessern.

Noch herrscht eher freundliches Geplapper, das wird sich bald ändern, wenn es voller wird.

Weitere Frühlingsboten lugen schon durch das welke Laub.

Der restliche Schnee hat sich schüchtern in schattigen Winkeln zusammengedrängt …

…und am Bahnsteig leuchtet um 5 Uhr nachmittags die Sonne noch durch die Bäume.

Hurraa! Frühling!


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Lange Weile in Langweid?

Spannend sieht es nicht gerade aus in Langweid … aber immerhin tut sich etwas am Himmel.

Dann heißt es, das Tal des Lech und der Schmutter zu durchqueren: 2.5 km unter weißblauem Himmel und bei eisigem Gegenwind an schnurgrader Straße entlang.

Wind und Kälte rufen nach warmer Wanderbekleidung.

Wenn man bei Achsheim die Schmutter überquert, ist die erste Etappe geschafft.

Wenig später kommt man in den Wald. Aber wo geht’s lang?
Das verrät einem der Rother Wanderführer „Rund um Augsburg“, Tour Nr. 29.

Hauptsache, es geht aufwärts 🙂

Pfützen auf dem Waldweg sind zu kleinen Kunstwerken gefroren.

Dann wird es mal Zeit für Brotzeit! Ein einigermaßen windgeschütztes Plätzchen findet sich beim Naturfreundehaus Klaus-Hütte am Rand des „idyllischen Mutterhofener Tals“ – so beschreibt es der Wanderführer.

Ihm und seinen drei Freunden war nicht langweilig. Sie waren nur ein bissl enttäuscht, dass ich ihnen nix zu futtern mitgebracht hatte.

Nach 5 Stunden und 17 km ist man zurück am Bahnhof Langweid, einem der ödesten Bahnhöfe in der Region. Dort muss man noch 20 Minuten im zugigen Wartehäusel ausharren bis einem der Zug nachhause schaukelt. Immerhin behauptet ein ausgehängter Zeitungsartikel, dass in diesem Bahnhof demnächst eine Buchhandlung eröffnet. Das klingt unwahrscheinlich. Aber man kann ja in einem halben Jahr mal nachgucken 🙂

In dieser Jahreszeit mag die Wanderung ein bisschen ereignisarm erscheinen. Man kriegt auch nicht so viele schöne Fotos hin wie bei besserem Wetter. Um so besser kann man seinen Gedanken nachhängen und sich an schönen Details erfreuen. Eine Freundin hat mich zu diesem Beitrag inspiriert. Sie ist kürzlich darauf gekommen, dass man „lange Weile“ auch genießen kann, ohne in „Langeweile“ zu verfallen. Recht hat sie!