Lotelta

Stadt, Land, Fluss, Pflanze, Tier, Beruf


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Große Kunst 2

Aus Bilbao wegfahren ohne im Guggenheim-Museum gewesen zu sein geht irgendwie nicht. Deshalb hab ich am Sonntagnachmittag die Bedenken, erst um 5 Uhr hinzugehen, wenn um 8 geschlossen wird, in den Wind geschlagen.

Als erstes trifft man den großen kleinen Hund von Jeff Koons …

… der von unzähligen kleinen Stiefmütterchen bewachsen ist.

Dann muss ich mal wieder das Lob des Außer-Saison-Reisens herleiern: So sah die Kassenschlange um 5 Uhr aus.

Die Tulpen von Jeff Koons …

… bieten Gelegenheit für ein 4fach-Selfie.

Das allergrößte Kunstwerk ist das Museumsgebäude selbst, meiner Meinung nach. Es ist eine große Freude, drin herum, hinein und heraus und drum herum zu spazieren.

Mein zweiter Favorit ist „The Matter of Time“ von Richard Serra: Riesige begehbare Stahlskulpturen, die einem tolle Raumeindrücke bescheren.

Ohne ein Foto von der Riesenspinne im Abendlicht darf man auch nicht heimgehen.

Das Ganze ist natürlich eine völlig willkürliche Auswahl von mir. Das Guggenheim-Museum bietet so viel zu sehen, dass man Tage darin verbringen könnte. Die Befürchtung vom Anfang des Beitrags war trotzdem überflüssig: nach zweieinhalb Stunden bin ich von großer Kunst gesättigt und völlig zufrieden wieder gegangen.


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Große Kunst 1

Am gestrigen Sonntag schien in Bilbao die Sonne 🙂 Also mit der Metro eine halbe Stunde vom Stadtzentrum nach Portugalete fahren, um die Puente Vizcaya anzuschauen.

Man weiß, dass man im Süden ist, wenn man die erste Palme in freier Wildbahn sieht.

Der Weg zur Brücke führt durch die (am Sonntag gegen 12 Uhr noch fast ausgestorbene) Altstadt. Portugalete hat ein hübsches Wappen, ist wohl eine alte Seefahrerstadt.

Die Puente Vizcaya ist eine Hängebrücke mit einer Schwebefähre, ein Zeugnis großer Ingenieurskunst vom Anfang des 20. Jahrhunderts und noch dazu schön anzuschauen.

Gebaut wurde diese Art der Brücke, damit die Ein- und Ausfahrt der Schiffe in den Hafen von Bilbao nicht behindert wird. In 45 Metern Höhe fährt ein Transporter auf zwei Schienenpaaren und bewegt die daran hängende Gondel von einer Seite des Flusses auf die andere.

Heutzutage kann man für 8 Euro mit dem Lift in einem der Pfeiler hoch fahren, über die zwischen den beiden Schienenpaaren liegende Passerelle spazieren und anschließend mit der Schwebefähre zurückfahren.

Von oben hat man einen tollen Blick auf die Hafenausfahrt und zum Meer…

… landeinwärts in Richtung Bilbao …

… und auf die schrecklich-schönen Fönwolken, die dem Kopfweh wenigstens eine Berechtigung verleihen.

Heutzutage fahren wohl gar keine wirklich großen Schiffe mehr in den inneren Hafen. Mehr die kleinen und ganz kleinen.

Von der Hafenpromenade hat man nochmal einen schönen Blick auf die Brücke…

… die stellenweise sogar verdoppelt erscheint.

Und beim Rückweg durch die Gassen der Altstadt stellt man fest, dass jetzt alle wach und in der Bar sind 🙂


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Regenstadt Bilbao???

Am frühen Nachmittag hat es mich dann doch zu einem Spaziergang hinausgezogen, trotz Dauerregen. Dafür musste aber ein Schirm her. Glücklicherweise fand sich direkt gegenüber vom Hotel ein kleiner Laden, der Handtaschen und Schirme verkauft. Aus Mitleid mit der ahnungslosen Touristin, die ohne Schirm angereist war, machte die  Señora ihren gerade geschlossenen Laden nochmal auf.

Im Laufe des Nachmittagsspaziergangs mehrten sich die Indizien, dass Bilbao tatsächlich eine Regenstadt  ist.

Erstens hat hier jeder schon einen Schirm, so dass sich der Regenschirmverkäufer hart tut, noch welche los zu werden.

Zweitens haben die Allermeisten richtig große und stabile Schirme, nicht so einen Miniknirps für acht Euro, wie der, den ich gerade erworben habe und der wahrscheinlich das Ende dieser Reise nicht übersteht.

Drittens gibt es in vielen Gebäuden so ein seltsames Gerät, mit dem man seinen nassen Regenschirm in eine Art Plastikpariser verpacken kann. Der hier abgebildete steht im Hotelfoyer, es gibt sie aber z.B. auch im Kulturzentrum und in der Markthalle.

Erfreulicherweise findet man überall Bars, in die man für ein Weilchen flüchten kann und sich mit Pintxos, den baskischen Häppchen am Spieß, stärken kann.

Zum Glück habe ich mir ein Pintxo mit in dünnen Pfannkuchenteig eingewickeltem wohlschmeckendem Krabbensalat ausgesucht …

… und nicht etwa ein Schinkenbrötchen. Sonst wäre ich womöglich dem Rächer der armen Schweine zum Opfer gefallen.

Morgen hört es auf zu regnen (da bin ich mir ganz sicher!). Dann gibt es auch mal Fotos von den vielen schönen Häusern hier.

 

 


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No se vaya al Vizcaya sin sombrilla

Schüler der spanischen Sprache werden gerne mit folgendem Merksatz konfrontiert: „No se vaya a la playa sin toalla!“. Das heißt „Gehe nicht ohne Handtuch an den Strand!“ und man soll dabei verinnerlichen, dass  im Spanischen „ll“ ungefähr wie „j“ ausgesprochen wird.

„No se vaya al Vizcaya sin sombrilla“ heißt in etwa „Fahre nicht ohne Schirm an die Biskaya!“. Bei diesem gerade von mir erfundenen Lehrsatz geht es mehr um den Inhalt: in Bilbao regnet es in Strömen, wetteronline sagt für heute 17 Stunden Regen voraus – und ich habe keinen Schirm dabei.

Beim Landeanflug gestern am Spätnachmittag lag die schöne Küste der Biskaya und die Mündung der Ria de Bilbao noch im Sonnenschein.

Mein Sitznachbar im Flugzeug hat mich schon auf den heutigen Regen vorbereitet. Und hinzugefügt, dass das ganz normal sei. Er war auf der Heimreise von seinem Arbeitseinsatz in Italien, in Pisa. Es sei  dort wirklich heiß gewesen, erzählte er, nämlich 22 Grad. Von Hitze verwöhnt sind die Leute hier nicht!

Mich erinnert der heutige Tag an meine allererste Spanienreise: im August(!) 1977 mit Interrailticket gemeinsam mit einer Freundin. Als wir nach tagelangem Bahnfahren an unserem ersten spanischen Ziel San Sebastian angekommen waren, stiegen wir in den Bus zum Campingplatz. Wir waren mit einem klitzekleinen Zelt und nur 600 D-Mark pro Nase unterwegs, die für vier Wochen Urlaub reichen mussten. Schon am Bahnhof in San Sebastian und während der ganzen Busfahrt regnete es in Strömen. So dass wir dort zwar ausgestiegen, aber auf dem Absatz kehrt gemacht haben, mit dem Bus wieder zum Bahnhof zurück gefahren und in den nächsten Zug eingestiegen sind. Die Bahn bot einen trockenen (wenn auch unbequemen) Schlafplatz und war für uns ja „kostenlos“.

Vierzig Jahre später habe ich es entschieden einfacher, weil ich mir ein Zimmer im Ibis Bilbao Centro leisten kann: kein übermäßiger Luxus, aber gut und zentral gelegen, warm und trocken und mit gutem Frühstücksbüffet. Heute schon Tortilla Espagnola und Pan con Tomate gefuttert – mmmhhhh!

Mal sehen, was der Tag noch bringt. Kultur gibt es hier jedenfalls in Massen. Vielleicht schlage ich mich noch zum Guggenheim-Museum durch… Ganz sicher aber mache ich einen weiteren Besuch im Kulturzentrum Alhondiga, das ich gestern nur einen Steinwurf vom Hotel zufällig entdeckt habe. Alhondiga wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als Lagerhaus für Wein erbaut. Zu seinem hundertsten Geburtstag wurde es nach den Entwürfen von Philippe Starck in ein riesiges Kulturzentrum verwandelt, in dem es alles gibt, Bibliothek, Theater, Kino, Kinderspielräume, Schwimmbad, Dachterasse, Kneipen. Das alles in einer beeindruckenden Architektur, irgendwie verspielt und rätselhaft, trotz der riesigen Ausmaße. Und vom Kleinkind bis zum Greis intensiv genutzt. Dort kann man locker einen Regentag verbringen und zum Beispiel in bequemen Ledersesseln sitzend Bücher und Zeitungen lesen und gelegentlich durch die adventskalenderartigen Fenster das Treiben eine Etage tiefer betrachten.