Lotelta

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Aus dem Tagebuch einer Schnecke – 3

Der dritte und letzte Tag auf der Wiesengänger-Route begann mit schönem Bergblick aus der 80er-Jahre-Wohnsiedlung, in der mein Nachtquartier lag.

Kaum einen halben Kilometer gegangen, schon tat sich ein geheimnisvoller Eingang zum Moorweg auf.

Ein schöner Moorwald, der Boden bedeckt mit Blaubeersträuchern, fast wie in Finnland. Und dann haben die für den Görisrieder Moorweg Zuständigen auch noch dafür gesorgt, dass der Weg für kindliche Gemüter (aller Altersstufen) ein Hit ist. Immer wieder trifft man auf Riesenpilze …

… und auf Monster am Wegesrand.

Mein Favorit war das Krokodil – mit Zähnen aus echtem Hirschhorn!

Man kann sich denken, dass man da eine Weile beschäftigt ist. Die freundliche Aufforderung auf der Bank konnte ich nicht auch noch annehmen – schließlich muss ich heute noch irgendwohin kommen.

Na, jedenfalls hab ich eine gute dreiviertel Stunde auf dem Moorweg verbracht – um beim Verlassen des Waldes an der Straße auf einem Schild zu lesen, dass ich mich gerade mal 1 km von meinem Ausgangspunkt entfernt hatte. 🙂

Die heutige Etappe führt zum größten Teil durch den Kempter Wald, darauf hatte ich mich schon gefreut. Da hinten wird es dann schattig …

… oder doch nicht?

Tja, der Weg verläuft für 4 km von Südost nach Nordwest – am Vormittag also wenig Chancen auf Schatten. Da freut man sich, wenn man bei einer Kapelle eine Ruhebank findet, von der aus man gemütlich zuhause anrufen und seine Rückkehr ankündigen kann.

Admiral (Vanessa atalanta)

Das nächste Highlight ist der Dengelstein, ein riesiger Findling aus Nagelfluh-Gestein, der während der Würmeiszeit vom Gletscher hierher geschoben wurde.

Der Name Dengelstein kommt daher, dass hier laut einer Sage der Teufel seine Sense dengelt. Mir ist er beim Brotzeitmachen am Fuß des Dengelsteins glücklicherweise nicht begegnet. 😉

Die letzten paar Kilometer bis Durach geht man nah an dem kleinen Flüsschen Durach …

… über dessen Tal 1975 mit großem Aufwand eine Brücke der Autobahn A7 gebaut wurde: 45 m hoch, 129 m lang, 13.000 Kubikmeter Beton. Vom Verkehr hört man erfreulicherweise hier unten so gut wie nix, die Autos fahren praktisch in einer Wanne.

Ab jetzt muss man die Augen offen halten nach einer Badestelle. Als krönender Abschluss dieser Wanderung dürfen sich die Füße im kalten Wasser der Durach erholen.

Statistik Tag 3: Von Görisried nach Durach am 27. August 2019

18 km, 166 hm, gesamte Gehzeit 6 h (incl. zahlreicher Pausen).
2 andere Wanderer getroffen, ein nettes junges Pärchen, unterwegs auf dem Jacobsweg andersrum nach München.

Fazit:

Von Ebenhofen nach Durach 60 km gewandert in 21 Stunden. Mit dem Auto wären es 34 km und 30 Minuten Fahrzeit gewesen. Schnecke sein ist toll! So sieht die Schneckenspur dieser drei Tage aus. Der Weg windet sich fast wie die Wertach.

Den GPX-Track für die Wiesengänger-Route kann man hier herunterladen. Das Foto ist ein Screenshot der OsmAnd-App.


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Aus dem Tagebuch einer Schnecke – 2

Immer wieder verblüffend, wie erholt und voller Tatendrang man nach einem langen Wandertag morgens aus dem Bett hüpft. Beim Frühstück noch schnell anderen Gästen die Wertachschlucht als Wanderziel empfohlen. Bei der Kapelle gegenüber vom Voglerhof geht es um 9 Uhr endlich los.

Man spaziert durch Leuterschach und hofft, dass das Wetter sich an die Temperaturbeschränkung halten möge. 😉

 

Bald ist das Ufer der Wertach erreicht. Der Fluß schlängelt sich unreguliert durch die Auenlandschaft.

Um diese Jahreszeit sind die Wertachufer gesäumt von Indischem Springkraut und Kanadischer Goldrute.

 

Nach einem schönen Stück am Fluss entlang würde der Wanderweg den Abhang hoch und dann wieder ein ganzes Stück durch die pralle Sonne führen …

Aber die intensive Betrachtung von Open Street Map zeigt eine Alternative: ein Weg führt unterhalb des Abhangs weiter und hört dann auf, ein anderer Weg beginnt einen halben Kilometer entfernt und führt dann in die richtige Richtung. Das kann man doch mal probieren! Erstmal im Tal weiter gewandert bis zu einer eingezäunten Kuhweide. Dort kommt man außerhalb des Zaunes weiter direkt am Rand des Wassers. Irgendwann wird aber der Hang so steil, dass man durchs Wasser müsste und es ist nicht zu sehen, wie weit und wie tief. Also wieder zurück zum Zaun und nach kurzem Zögern über den Zaun geklettert. Die Jungrinder stehen in der entfernten Ecke im Schatten und interessieren sich nicht sonderlich für mich. Dann heißt es noch, steil und weglos aufwärts durch den Wald, immer das OsmAnd-Display im Blick. Und siehe da, hier beginnt ein Forstweg, der eine Zeit später wieder auf den Wanderweg trifft. Das Foto sieht nicht spektakulär aus, steht aber für die Freude ob des bestandenen Mikro-Abenteuers. 🙂

Nachdem man das Örtchen Wald gestreift hat, beginnt der wunderschöne Weg durch die Wertachschlucht. Hier war ich vor ein paar Wochen schon mal und hab Ringelnattern bei der Jagd in einm Tümpel beobachten können.

Die Ringelnattern suchen jetzt ihr Futter woanders – und eine ganze Menge Fischlein hat überlebt.

Die Wertachschlucht ist eine Wucht! Der Weg ganz nah am Wasser, die Vegetation dschungelartig und eine munter dahinplätschernde Wertach. Und dann noch eine Brotzeitbank am schattigen Ufer.

Beim Aufstieg aus der Wertachschlucht zeigt sich an Wiesen und Wegrändern, dass  der Herbst schon seine Schatten vorauswirft.

An der nächsten Kreuzung des Wanderwegs mit der Landstraße verkündet  ein Schild: 3.5 km nach Görisried, meinem Tagesziel. Nach kurzem Zögern entscheide ich mich trotz Hitze und schon 15 km in den Knochen für weitere 8 km auf dem Wanderweg.

Hallo Mädels! Aber einer davon ist ein Bub!

Das war die richtige Entscheidung! Sonst hätte ich glatt ein weiteres Highlight verpasst. Nach einem erfrischenden Bad in der Wertach überquert man den Hängesteig, auf der anderen Seite plätschert ein Wasserfall über Sinterterassen hinunter, dort führt dann auch der Weg über Wurzeln wieder hinauf.

Auf Wiesenwegen und vorbei an der kleinen Kapelle kommt man nach Görisried …

… wo ich beim Gasthof Zum Hirsch statt (mit Käse überbackenem!) Allgäuer Schnitzel ein Wiener Schnitzel verspeise. Und dazu gibt’s ein Alphornkonzert.

Statistik Tag 2: Von Leuterschach nach Görisried am 26. August 2019
23 km, 330 hm, gesamte Gehzeit 9 h (incl. zahlreicher Pausen).
0 andere Wanderer getroffen.

PS: Wäre man nicht als Schnecke auf gewundenen Pfaden unterwegs sondern z.B. mit dem Auto, so wäre die heutige Strecke von Leuterschach nach Görisried 8,5 km lang und würde 10 Minuten dauern. 🙂


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Aus dem Tagebuch einer Schnecke – 1

„Aus dem Tagebuch einer Schnecke“ ist der Titel eines 1972 erschienenen Buchs von Günter Grass in dem dieser die Zeit seiner Wahlhilfe für die SPD und insbesondere für Willy Brandt literarisch verbrämte. Hat man damals gelesen, so was …

In diesem Beitrag geht es aber um etwas anderes – drei TageWandern auf der Wiesengänger-Route durch das Ostallgäu. Der Zusammenhang zum Titel wird sich im weiteren noch erschließen. 🙂

Wenn einem die Schneckenpost zu langsam ist, nimmt man die Bahn …

… und landet eine Stunde später in Ebenhofen.

… wo um 10 Uhr morgens die Wiesen am Bahndamm noch taufeucht sind.

Die Sonne brennt herunter und die Strecke bis und durch Marktoberdorf bietet wenig Schatten. Da fragt man sich schon mal „Was zum Teufel treibe ich hier eigentlich – im heißen Spätsommer wandern zu gehen, noch dazu auf einem Weg, der oft durch Wiesen und Weiden des Bauernlandes führt?“

Doch die Zweifel legen sich später. In der Nähe des klitzekleinen, gleichwohl 650 Jahre alten Dörfchens Kohlhunden …

… liegt ein wunderbarer kleiner Moorsee mit Liegewiese, Badeplattform und Kiosk. Wann, wenn nicht im Hochsommer, kann man ein erfrischendes Bad sooo genießen?

Im Nordosten ist der Himmel dunkel und es rumpelt manchmal. Schon denke ich, ich müsste auf den letzten Kilometern zum Etappenziel mein Regencape benutzen.

Andere machen sich da keine Sorgen – und es bleibt tatsächlich trocken.

Siesta, Mädels!

Eine Stunde später ist das Tagesziel erreicht, der Gasthof Voglerwirt in Leuterschach. Dort gibts zum Abendessen Allgäuer Hacksteak (mit Käse überbacken, das machen die Allgäuer gerne!) mit Batkartoffeln und einer großen Portion frischen Salat für 8.50 Euro – was will man mehr?

Statistik Tag 1: Von Ebenhofen nach Leuterschach am 25.8.2019
19 km, 240 hm, gesamte Gehzeit 6 1/4 h (incl. zahlreicher Pausen).
0 andere Wanderer getroffen.